|
In vitro-Testsystem zur Bestimmung der Chemosensitivität von Tumoren
|
Der Erfolg einer Chemotherapie lässt sich bereits vor Therapiebeginn abschätzen. Dazu wird ein Testsystem (Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Infoblatt (PDF-Datei)) angewandt, bei dem die Krebszellen eines Patienten außerhalb des Körpers mit verschiedenen Zytostatika behandelt werden. Anschließend wird die Vitalität der Tumorzellen bestimmt. Damit soll herausgefunden werden, wie erfolgversprechend ein bestimmtes Therapieschema bei einem einzelnen Patienten sein wird. Ziel ist es, den Patienten auf Basis dieser Ergebnisse individuell zu behandeln und so die Heilungschancen zu verbessern.
Unterschiede in der Empfindlichkeit von Tumoren
Bei der Behandlung schwerwiegender Infektionskrankheiten gehört eine vergleichbare Untersuchung zum gezielten Einsatz von Antibiotika (das Antibiogramm) seit langem zum Standard. Ein vergleichbarer Test lässt sich auch für die Sensitivität von Tumoren vornehmen (sogenanntes Onkobiogramm). Das sich dieses Prinzip für Tumoren bisher nicht durchgesetzt hat, ist darauf zurückzuführen, dass Tumorzellen schwerer zu kultivieren sind als z.B. Bakterien oder Pilze und das Tumorzellen schwerer zu gewinnen sind. Das eine derartige Testung bei Tumoren aber sinnvoll ist, zeigt die Tatsache, dass Patienten mit Tumorerkrankungen des gleichen (histologischen) Typs erhebliche Unterschiede im Ansprechen auf eine Chemotherapie zeigen können. Deshalb führt dasselbe Therapieregime bei einigen dieser Patienten zu einem kompletten Rückgang des Tumors während andere nicht ansprechen. Neben der Tatsache, dass Patienten bei fehlendem Therapieansprechen unnötigen Nebenwirkungen ausgesetzt werden, tritt ein erheblicher Zeitverlust bis zum Beginn einer möglicherweise wirksamen alternativen Therapie ein [1].
Probenmaterial
Die Tumorzellen für die Testung werden entweder nach der operativen Entfernung des Tumors oder durch eine gezielte Biopsie gewonnen. Die erforderliche Menge richtet sich auch nach der Anzahl der Zytostatika, die getestet werden sollen. Als Richtgröße wird OP-Material von ca. 0,5 g bzw. die gesamte Biopsieprobe benötigt.
Der Versand der Proben erfolgt gekühlt über Nacht in einer speziellen Nährstofflösung, die wir vorab zusenden. Keinesfalls dürfen die Proben gefroren oder mit Formalin fixiert werden.
|
|
Die Aufarbeitung der Probe erfolgt im Labor unter aseptischen Bedingungen. Dabei wird die Tumorprobe zunächst zerkleinert und homogenisiert. Anschließend erfolgt die Aussaat der Zellen in spezielle Platten, denen dann verschiedenen Zytostatika in Verdünnungsreihen zugesetzt werden.
|
 |
 |
Auswahl der Zytostatika für die Testung
Die Auswahl orientiert sich im allgemeinen nach den beim jeweiligen Tumortyp und Stadium eingesetzten Zytostatika bzw. Therapieschemata und erfolgt durch den behandelnden Arzt. Wir recherchieren dafür generell nach neuen Empfehlungen und Studienergebnissen.
Es werden prinzipiell mindestens 8 Zytostatika und Kombinationen getestet.
Die Hemmung des Tumorzellwachstums wird während des Inkubationszeitraum regelmäßig überwacht.
|
Testprinzip und Auswertung
Die Tumorzellen werden für die Testung über 5 Tage mit Zytostatika inkubiert. Nach dieser Zeit wird der Energieträger der Zellen, das Adenosintriphosphat (ATP), gemessen. Je mehr Zellen durch die Zytostatika abgetötet wurden (d.h. je wirksamer die Substanz ist), desto niedriger ist der ATP-Gehalt, da nur lebende Zellen ATP bilden.
Abbildung 1 zeigt ein Beispiel für einen sensitiven (geschlossene Symbole) und einen chemotherapieresistenten (offene Symbole) Tumor . Dargestellt ist die prozentuale Wachstumshemmung gegenüber der eingesetzten Konzentration.
Abbildung 1
Anwendung
Der Erfolg dieser Vorgehensweise wurde für die Behandlung des Mamma- und Ovarialkarzinoms in mehreren klinischen Studien belegt (Vorhersagewert für die Wirksamkeit beim Mammakarzinom: 80 % [2], beim Ovarialkarzinom: 85-90 % [3]). Dabei wurde nachgewiesen, dass sich Resistenzen mit annähernd 100%iger Sicherheit voraussagen lassen, d.h. wenn Tumorzellen in vitro kein Ansprechen auf einen Wirkstoff zeigen, ist auch unter Therapie keine Wirksamkeit zu erwarten. Für die Vorhersage der Sensitivität der Tumoren liegt diese Sicherheit etwas niedriger, da einige Faktoren, z.B. die Tumordurchblutung, nicht vorher bestimmt werden können.
Interessant ist die Testung auch bei der Planung von Salvagetherapien, der Behandlung von Metastasen mit unbekannten Primärtumoren oder bei der Therapie selten auftretender Tumoren, bei denen kein Therapiestandard zur Verfügung steht.
Generell lässt sich die Testung einsetzten zur
- Optimierung der Chemotherapie [4]
- Vermeidung ineffektiver Therapien durch frühzeitige Erkennung von Resistenzen [5]
- Kostenersparnis durch Vermeidung unwirksamer Therapien [4]
Abrechnung
Die Kosten der Testung werden von den privaten Kassen in der Regel übernommen. Gesetzliche Krankenkassen dagegen erkennen die Leistung bisher noch nicht standardmäßig an, so dass in diesen Fällen privat nach der GOÄ abgerechnet werden muss. Für die Untersuchung ist deshalb die Einverständniserklärung des Patienten erforderlich. Formblätter für die Einverständniserklärung und die Testanforderung können Sie sich hier ausdrucken.
Ablauf der Testung
Nachfolgendes Schema zeigt der Ablauf der Testung schematisch zusammengefasst.
Die wichtigsten Informationen zum Test finden Sie auch als PDF-Datei zum Ausdrucken (Infoblatt).
|
| Ablaufschema |
Probe ankündigen
(Tel.: 03371 - 681 290)
↓
Sendung der Versandmaterialien an Klinik
↓
Probenmaterial (OP-Material, Biopsie) gewinnen
(NICHT fixieren oder einfrieren)
↓
Abholung der Probe wird veranlasst (Kurierdienst)
↓
Kultivierung der Probe im Labor
↓
Ergebnismitteilung
(tel. Vorabinformation möglich)
|
Kontakt
Für Fragen und Diskussionen können Sie sich jederzeit gerne mit uns in Verbindung setzten.
Kontaktformular
Weitere Informationen auch unter www.tumortherapie.celltrend.de
|
|
Literatur
|
[1] Cree et al. Anti-Cancer Drugs 8 : 541 (1997)
[2] Cree et al. Anti-Cancer Drugs 7 : 630 (1996)
[3] Konecny et al. Gynecologic Oncol. 77 : 258 (2000)
[4] Kurbacher et al. Anti-Cancer Drugs 9 : 51 (1998)
[5] Andreotti et al. Cancer Res. 55: 5276 (1995)
|
| | |
|